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Freitag23 Juni 2017

Physische Entwicklung

So verständlich die physischen Entwicklungen in der Adoleszenz sind (hormonal gesteuerte Charakteristik der maskulinen und fraulichen Gestalt und des Geschlechtscharakters, endgültiges Längenwachstum), im maßgeblichen ist die Adoleszenz in unserer Kultur ein bioseelisches und soziologisches Phänomen:

Die Zwistigkeit mit den Voraussetzungen des Erwachsenseins sind leicht durchschaubar, der Adoleszent sieht sich veranlasst sich aus den Unselbständigkeiten des Kindseins befreien ebenso wie in allen gravierenden Lebensbereichen eigenständig und selbstverantwortlich werden.

In dieser Lage des Wechsels sind Konflikte, zuallererst Rollen- und Statuskonflikte, zwingend. Die Pubertät dauert in unserer Zivilisation außergewöhnlich lang. Je schwieriger die Funktionalitäten einer Sozialstruktur sind, umso mehr braucht es, bis man zu einem gleichgestellten Mitglied geworden ist; in primitiven Kulturen gibt es eine Pubertät in unserem Sinngehalt keinesfalls. Jeder Adoleszent darf sich in der Adoleszenz mit fassbaren Aufgaben auseinandersetzen (so geheißene epochal separate Aufgaben).

Eine der Aufgaben ist die Selbstfindung. Bedingung dazu ist die erst in diesem Lebensalter realisierbare Selbstreflexion, die Kontemplation über sich selbst. Somit wird zusätzlich das Vergegenwärtigung für fremdpsychische Geschehnisse machbar. In der Schriftwerk werden in diesen Tagen differenziertere Persönlichkeitsdarstellungen benötigt, und obendrein der Sinn für Mutter Natur und Kunst erwacht.

Die Persönlichkeits-findung beginnt bei der elementaren Prüfung des eigenen Äußeren (Identifizierung mit den Regeln der Peer-Gruppierung, Nachahmen von erfolgreichen Persönlichkeiten) und wechselt hernach geschwind auf Kompetenzen, Eigenschaften und inwendige Qualitäten. Vorbilder (lebende oder historische Personen oder Hauptakteure der Literatur) sind bei der Ichfindung von Bedeutsamkeit.

Erstaunlich ist, dass die Präferenz der Idole schichtdependent ist: Adoleszente der Unterschicht wählen eher namhafte AthletInnen und FilmschauspielerInnen zum Leitbild. Diese richten sich dabei an deren Erfolg und an deren externe Aussehen. Jugendliche der Mittel- und Oberschicht küren zum Leitbild eher Forscher und involvierte Volksvertreter, wenngleich sie den Charakter und die subjektive Attitüde namentlich würdigen.

Mit steigendem Lebensalter und gradueller Selbstprofilierung mindert sich die Wichtigkeit der Vorbilder. Die Geltung der Eltern als Vorbilder ist keinesfalls eindeutig, sie scheint aber äußerst ins Gewicht fallend zu sein.

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