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Samstag25 März 2017

Differenzierte Temperamentdarstellung

So verständlich die physischen Entwicklungen in der Adoleszenz sind (hormonal gesteuerte Prägnanz der maskulinen und weiblichen Gestalt und des Geschlechtscharakters, kompromissloses Längenfortentwicklung), im gravierenden ist die Adoleszenz in unserer Zivilisation ein bioseelisches und soziologisches Phänomen:

Die Zwistigkeit mit den Ansprüchen des Erwachsenseins sind vorrangig, der Jugendliche muss sich aus den Dependenzen des Kindseins freizukämpfen wie auch in allen maßgeblichen Lebensbereichen autonom und selbstverantwortlich werden.

In dieser Lebenslage der Wandlung sind Konflikte, in erster Linie Rollen- und Statuskonflikte, unabwendbar. Die Adoleszenz dauert in unserer Zivilisation erheblich lang. Je verwickelter die Forderungen einer Gesellschaftsstruktur sind, desto mehr braucht es, bis man zu einem vollwertigen Mitglied geworden ist; in primitiven Kulturen gibt es eine Pubertät in unserer Sinnhaftigkeit keinesfalls.

Jeder Jugendliche soll sich in der Adoleszenz mit gegenständlichen Umständen auseinandersetzen (so genannte epochal eigenständige Aufgaben).

Eine dieser Aufgaben ist die Persönlichkeitsfindung. Prämisse zu diesem Zweck ist die erst in diesem Lebensalter machbare Selbstspiegelung, das Sinnieren über sich selbst. Dadurch wird darüber hinaus das Klarsicht für fremdseelische Prozesse realisierbar.

In der Lektüre werden dieser Tage differenziertere Temperamentsdarstellungen benötigt, und außerdem der Sinn für Mutter Natur und Kunst erwacht.

Die Persönlichkeits-findung beginnt bei der grundlegenden Überprüfung des eigenen Äußeren (Identifizierung mit den Richtwerten der Peer-Gruppe, Nachahmung von erfolgreichen Persönlichkeiten) und verlagert sich später rasch auf Eignungen, Eigenschaften und interne Qualitäten. Leitbilder (lebende oder historische Individuen oder Titelpersonen der Literatur) sind bei der Ichfindung von Bedeutung.

Aufschlussreich ist, dass die Wahl der Leitbilder schichtdependent ist: Adoleszente der Unterschicht wählen eher berühmte AthletInnen und FilmschauspielerInnen zum Leitbild. Sie richten sich dabei an deren Gelingen und an deren äussere Gestalt.

Adoleszente der Mittel- und Oberklasse statuieren zum Leitbild eher Forscher und engagierte Politiker, wobei sie den Charakter und die private Innere Haltung besonders würdigen.

Mit steigendem Alter und sukzessiver Selbstprofilierung senkt sich die Signifikanz der Vorbilder. Die Geltung der Eltern als Leitbilder ist bei weitem nicht eindeutig, sie scheint indes ziemlich beachtlich zu sein.

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